Digitalität

Was ist Digitalität?

Statt «Digitalisierung» wird oft der Begriff «Digitalität» verwendet. Damit soll auf einen grundlegenden Kulturwandel verwiesen werden, der weit über das rein Technische hinaus geht und in der Schule das Lehren, Lernen ebenso wie Kommunikation, Zusammenarbeit und Schulentwicklung insgesamt betrifft.

Warum sollte sich jede Schule mit dem Thema «Digitalität» auseinandersetzen?

Die Schule muss die Lernenden auf eine zunehmend schnelle und komplexe Welt vorbereiten. Gesellschaft, Arbeitswelt und individuelle Lebenswelten durchlaufen einen grundlegenden Wandel, was zwangsläufig das Lernen von Kindern und Jugendlichen sowie die Entwicklung der Schule beeinflusst.
Digitaler Wandel
KI-Tools bieten beispielsweise viele Chancen für Unterricht und Schulorganisation – etwa durch Individualisierung, Feedbacksysteme und Entlastung der Lehrpersonen. Gleichzeitig werfen sie zentrale pädagogische, ethische und rechtliche Fragen auf, etwa zur verantwortungsvollen Nutzung, Datensicherheit oder zu den erforderlichen Kompetenzen. Deutlich wird: Es geht nicht nur um Technologie, sondern um eine umfassende Schulentwicklung.
Damit sich Schulen einen Überblick über die vielschichtigen Faktoren des digitalen Wandels verschaffen können, wurde von der PHZH ein Kartenset und eine zugehörige Webplattform entwickelt: https://kompassdigitalerwandel.ch

Faktoren

Lernen der Schüler:innen
Im Lehrplan 21 beschreibt das Modul «Medien und Informatik» den Kompetenzaufbau über alle Zyklen. Die Herausforderung besteht vor allem darin, dass die meisten Kompetenzen integrativ vermittelt werden müssen, insbesondere bis zur 4. Klasse, denn da ist kein Fach für den Themenbereich vorgesehen.
Das Lernen MIT und ÜBER Medien ist zentral in einer massiv digital geprägten Welt. Darüber hinaus stellen sich ganz generelle Fragen zur Lernkultur. Diese könnten beispielsweise sein:
  1. Wie müssen Aufgaben gestaltet sein, wenn einwandfreie Texte auf Knopfdruck generiert werden können?
  2. Wie können wir Schüler:innen dabei begleiten, sich in einer zunehmend digitalisierten Welt zurechtzufinden und diese mitzugestalten?
  3. Wie verändert sich die Rolle der Lehrpersonen angesichts dieses Kulturwandels?
  4. Welche Chancen bieten digitale Medien für das selbstgesteuerte Lernen und wie kann deren Ablenkungspotential begegnet werden?
Lernen mit und über digitale Medien ist in einer digital geprägten Welt unverzichtbar. Eine Auseinandersetzung damit bietet die Chance, im Kollegium gemeinsam über Lernkultur nachzudenken, Handlungsfelder zu benennen und Schritt für Schritt eine zeitgemässe Schulpraxis zu entwickeln.
Im Zusammenhang mit Digitalität wird immer wieder auf die 21st Century Skills oder auch die 4K (Kommunikation, Kooperation, Kreativität und kritisches Denken) verwiesen.
Verschiedene Modelle können helfen, den Medieneinsatz im Unterricht zu planen und zu reflektieren. Im folgenden Video werden einige gängige Modelle vorgestellt und anhand konkreter Beispiele angewendet:

Mehrebenensystem Schule
Mikroebene: Damit das Lernen der Schüler:innen auf «Digitalität» ausgerichtet werden kann, brauchen alle Beteiligten entsprechende Kompetenzen und Haltungen.
Mesoebene: Digitalität bedingt einen agilen Schulentwicklungsprozess, der auf mehrere Schultern verteilt ist und eine zielführende und effiziente Zusammenarbeit aller Beteiligten. Insbesondere die Eltern gilt es auf diesen Weg mitzunehmen.
Exemplarische Fragen:
  1. Wer hat relevante Expertise zum digitalen Wandel und wie wird diese eingebracht?
  2. Welche Rolle hat die Schulbehörde und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
  3. Wie sind unsere Supportstrukturen aufgestellt?
  4. Wie gestaltet sich der Umgang mit Freiheit/Autonomie und Verbindlichkeit/Standards?
Makroebene: Bildungspolitik und Bildungsverwaltung legen die Rahmenbedingungen fest (beispielsweise im rechtlichen Bereich), unterstützen bei der Bildung von Netzwerken und stellen Orientierungshilfen bereit. Das VSA des Kantons Zürich unterstützt die Schulen beispielsweise mit verschiedenen Angeboten:
  1. Der ICT-Guide kann als Leitfaden für die Entwicklung eines Medien- und ICT-Konzepts genutzt werden. Dei Schulen können sich an den Mustertexten orientieren, welche mit Hintergrundinformationen und Umsetzungshilfen angereichert sind.
  2. Der ICT-Coach kann als Nachschlagewerk für Fragen zum digitalen Wandel genutzt werden. Die Website schafft insbesondere im Hinblick auf die technische Infrastruktur und rechtliche Fragestellungen Orientierung.
  3. Künstliche Intelligenz in der Volksschule: Diese Leitsätze geben einen Orientierungsrahmen zum Insatz von KI-Diensten und unterstützen die Schulen, eine eigene Haltung zu entwickeln.
Prozessgestaltung
Die Komplexität des digitalen Wandels verlangt eine sorgfältige Analyse der aktuellen Situation und eine agile Gestaltung des Prozesses. Als Instrument könnte der Kompass für den digitalen Wandel (siehe Materialien) eingesetzt werden. Die Basis für eine nachhaltige Entwicklung ist zudem eine breit abgestützte Strategie, welche auf einer fundierten fachlichen Expertise beruht.
Von den neun Schritten der Prozessgestaltung sind folgende besonders relevant:
  1. Sensemaking: Das gemeinsames Verständnis des digitalen Wandels wird idealerweise an den Anfang gestellt. Mögliche Fragestellungen sind: Wie verändert sich das Lernen in einer Kultur der Digitalität? Welche Herausforderungen und Chancen sehen wir im digitalen Wandel?
  2. Zielklärung: Nachdem die relevanten Handlungsfelder identifiziert sind, sollen möglichst konkrete Ziele formuliert werden. Gleichzeitig sollen diese aber genug offen bleiben, um künftige Entwicklungen zu antizipieren.
  3. Commitment: Damit Entwicklungsvorhaben nicht versanden, braucht es ein Commitment aller Beteiligten und eine verbindliche Prozessgestaltung, welche eine regelmässige Evaluation der erreichten Schritte beinhaltet.
  4. Konkretisierung: Angesichts der Komplexität des digitalen Wandels lohnt es sich, kleine und ganz konkrete Schritte zu planen. Zu einer agilen Prozessgestaltung gehört auch, dass nicht das ganze Team im Gleichschritt unterwegs ist, sondern dass innovative Gruppen erste Erfahrungen machen und ins Team zurücktragen.
Haltungen und Emotionen
Der disruptive Charakter des digitalen Wandels verunsichert viele Personen. Ängste müssen ernst genommen werden, gleichzeitig ist es keine Option, sich der Entwicklung zu verweigern. Entsprechend wird viel Fingerspitzengefühl und Unterstützung benötigt, um das Team auf den Weg mitzunehmen. Für den digitalen Wandel der Schule ist ein gemeinsames Verständnis und ein permanenter Austausch über die Entwicklungen unerlässlich.
Kooperation und Kommunikation
Die Anforderungen an die Zusammenarbeit im Team haben in den letzten Jahren laufend zugenommen. Einerseits ist der Schulalltag generell komplexer geworden, andererseits ist der Trend zu Teilzeitarbeit und der Verteilung der Verantwortung auf verschiedene Personen ungebrochen. Entsprechend braucht ein Team eine ausgeprägte Bereitschaft zur Zusammenarbeit und eine effiziente Kommunikation. Digitale Tools und Arbeitstechniken können das Team dabei entscheidend unterstützen, insbesondere auch um das organisationale Wissen strukturiert aufzubauen und zugänglich zu machen.
Exemplarische Fragen:
  1. Wie und wann gestalten wir unsere Kommunikation analog und digital, synchron und asynchron?
  2. Welche Tools nutzen wir, um zeit- und ortsunabhängig zusammenzuarbeiten?
  3. Welche formellen und informellen Kanäle werden genutzt, um unser Wissen zu teilen?
  4. Wie machen wir unseren Schulalltag für Eltern und Öffentlichkeit sichtbar? Welches Bild geben wir mit unserer Website und unserem Social-Media-Auftritt ab?
Hilfreiche Ressourcen:
  1. Mit dem Digibasics-Modul Online-Kommunikation & Online Kooperation, kann die eigene Praxis reflektiert und optimiert werden
  2. Ein hilfreiches Instrument, um die schulische Kommunikation auf allen Ebenen zu analysieren ist das Online-Assessment zur Schulkommunikation der ZHAW.

Transformationsgrad der Schule

Rahmenbedingungen
Der digitale Wandel bedingt einen langen Atem, viel Flexibilität, ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sowie eine fundierte fachliche Expertise in Form einer Leitung Digitalität oder von PICTS (Pädagogische ICT Supporter:innen).
Darüber hinaus sind rechtliche und administrative Rahmenbedingungen zu beachten etwa in Bezug auf den Datenschutz oder auf das Submissionsrecht. Gleichzeitig gibt es immer auch Freiräume, die es auszuschöpfen gilt.
Auf gesellschaftlicher Ebene bilden eine hoch dynamische Arbeitswelt, tiefreifende sozio-kulturelle und politische Veränderungsprozess und eine von digitalen Medien durchdrungene Lebenswelt die Grundlage für die Schulentwicklung.
Exemplarische Fragen:
  1. Was müssen Beteiligte (Schüler:innen, Lehrpersonen, Schulleitung, PICTS etc.) in Bezug auf Sicherheit wissen? Wie müssen sie sich entsprechend verhalten?
  2. Wie stellen wir sicher, dass der Datenschutz und die Privatsphäre aller Beteiligter berücksichtigt wird?
  3. Wie läuft der Beschaffungsprozess der Schule für die technische Infrastruktur ab?
  4. Wie ist der technische Support organisiert?
Eine hilfreiche Anlaufstelle für Fragen zu Infrastruktur, Sicherheit und rechtlichen Aspekten ist der ICT Coach.
Individuelle und organisationale Kompetenzen

Für den digitalen Wandel wird ein breiter Fächer von Kompetenzen benötigt. In vielen Teams sind diese sehr heterogen verteilt. Entsprechend individuell müssen die Weiterbildung und der Support ausgestaltet sein. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Pädagogische ICT-Support (PICTS). Neben den spezifisch digitalen Kompetenzen spielen aber auch das Mindset in Bezug auf das lebenslange Lernen, die Auseinandersetzung mit technologischen und pädagogischen Entwicklungen, sowie die Vernetzung mit Communities eine wichtige Rolle für eine Kultur der Digitalität. Für die Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen gibt es ein Kartenset:

Die Schule als lernende Organisation ist eine zentrale Grundvoraussetzung, um der Dynamik des digitalen Wandels Rechnung zu tragen. Für den Erfahrungsaustausch und die Bildung eines gemeinsamen Verständnisses der Kultur der Digitalität können schulinterne Weiterbildungen organisiert oder regelmässige Austauschgefässe eingerichtet werden.
Führung
Angesichts der Komplexität des digitalen Wandels ist es unabdingbar, dass der Schulentwicklungsprozess auf mehrere Schultern abgestützt wird, auch unter Personen, welche keine formale Führungsfunktion haben. Eine Steuer- oder Fachgruppe kann über verschiedene Rollen, Perspektiven und Expertisen der Vielschichtigkeit des Entwicklungsprozesses gerecht werden. Während die Schulleitung die Steuerung des Prozesses verantwortet, bringt sich der PICTS mit seiner fachlichen Expertise ein und unterstützt das Team auf kollegialer Ebene. An grösseren Schulen ist meist eine Fachstelle bzw. eine Leitung Digitalität als Themenhüterin etabliert, welche auch die Hauptverantwortung für die technische Infrastruktur trägt. Das komplexe Zusammenspiel dieser verschiedenen Rollen bedingt viel Koordination, bedeutet aber auch eine Entlastung für die Leitung.
Dynamiken

Angesichts der teilweise sehr polarisierten Haltungen zwischen pauschaler Ablehnung und naiver Euphorie gilt es, die Dynamiken im Team sorgfältig zu beobachten und regelmässig zu thematisieren. Das Verständnis der durch die Digitalisierung hervorgerufenen Transformationsprozesse ist dabei essentiell: Auch wenn man die Entwicklung nicht begrüsst, kann man sich ihr nicht verschliessen. Ein transparentes, gemeinschaftliches und pragmatisches Vorgehen hilft, dass der Prozess vom ganzen Team mitgetragen wird.

Personas können helfen, Dynamiken zu reflektieren: Weitere Informationen

Spielerische möglichkeit, um Dynamiken zwischen verschiedenen Rollen fassbar zu machen:

Slotmachine

Edutool

Gesellschaft
Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche unserer Gesellschaft und die Herausforderung, alle daran teilhaben zu lassen, ist enorm. In diesem Kontext wird häufig auf die drohende digitale Kluft (Digital Gap) verwiesen. Der Schule als wichtige Integrationsinstanz kommt dabei eine große Rolle zu.

Zentrale Handlungsaspekte: wie kann ich vorgehen?

Standortbestimmung, Vision, Strategie

Keine Schule beginnt in Bezug auf den digitalen Wandel auf der grünen Wiese. Für den Blick in die Zukunft ist deshalb entscheidend, die aktuelle Situation genau zu analysieren: Wo sind wir schon weit? Worauf sind wir stolz? Was bereitet uns Mühe? Wo sehen wir Handlungsbedarf? Als Instrument, um die verschiedenen Faktoren zu erkennen, eignet sich das Kartenset  «Kompass für den digitalen Wandel» sowie die zugehörigen Webressourcen (siehe Materialien). Aufgrund der Auslegeordnung können Handlungsfelder identifiziert werden, die wiederum die Grundlage für die Strategie bilden. Es lohnt sich, diese Auslegeordnung mit Personen zu machen, die verschiedene Perspektiven und Expertisen mitbringen.

Pinwand

MIA Kompetenzaufbau

Zwar gibt es aber der 5. Klasse das Fach «Medien und Informatik» und eine entsprechende Unterrichtsbefähigung, die meisten Kompetenzen, insbesondere die Anwendungen, müssen allerdings integrativ vermittelt werden. Im Zyklus 1, bzw. bis und mit 4. Klasse, ist das besonders herausfordernd, weil die Lehrpersonen nicht für Informatik und Medienbildung ausgebildet sind. Für Schulen, welche hierfür noch keine konzeptionelle Grundlage Kompetenzaufbau von «Medien – Informatik – Anwendungskompetenzen» (kurz: MIA) haben regelt, lohnt sich eine einführende Weiterbildungsveranstaltung. In der Folge sammeln die Lehrpersonen Erfahrungen mit der MIA-Integration und tauschen sich in pädagogischen Teams regelmässig darüber aus. Eine entscheidende Rolle für eine nachhaltige Implementierung spielt der pädagogische Support.
Weitere Informationen: http://dreimaldrei.ch

Medien- und ICT-Konzept

Für eine verbindliche und zielführende Nutzung von digitalen Medien auf allen Ebenen der Schule ist eine konzeptionelle Basis unumgänglich. Gleichzeitig ist ein vorhandenes Konzept noch keine Garantie, dass die formulierten Ziele auch erreicht und Rahmenbedingungen eingehalten werden. Bei der Konzeptentwicklung sollte auf eine breite Abstützung von Rollen, Kompetenzen und Interessen geachtet werden. Damit die Inhalte des Medien- und ICT-Konzepts vom ganzen Team getragen werden, braucht es bei der Entwicklung immer wieder den Einbezug aller Stakeholder, eine reine Copy-Paste-Aktion von einem bestehenden Papier erzeugt hingegen zwangsläufig einen Papiertiger. Der ICT-Guide bietet einen hilfreichen Leitfaden für die Konzeptentwicklung.

Materialien

Kompass für den digitalen Wandel

Schulentwicklungsprozesse im digitalen Wandel sind vielschichtig und komplex. Dieses Kartenset hilft Ihnen, einen Überblick über die verschiedenen Faktoren zu gewinnen und daraus mögliche Handlungsfelder und Prioritäten abzuleiten.  https://kompassdigitalerwandel.ch

MIA-Kompetenzaufbau

3 Zyklen, 3 Kompetenzbereiche: Mit der Webseite https://dreimaldrei.ch und dem entsprechenden Raster werden die Schulen bei der Planung und Integration von «Medien und Informatik» in den Unterricht unterstützt.

ICT-Guide und ICT-Coach

Das VSA des Kantons Zürich unterstützt die Schulen im digitalen Wandel mit zwei Webplattformen
  1. Der ICT-Guide (http://ict-guide.edu-ict.ch) kann als Leitfaden für die Entwicklung eines Medien- und ICT-Konzepts genutzt werden. Die Schulen können sich an den Mustertexten orientieren, welche mit Hintergrundinformationen und Umsetzungshilfen angereichert sind.
  2. Der ICT-Coach (http://ict-coach.ch) kann als Nachschlagewerk für Fragen zum digitalen Wandel genutzt werden. Die Website schafft insbesondere im Hinblick auf die technische Infrastruktur und rechtliche Fragestellungen Orientierung.

Praxisbeispiele

No Results Found

The posts you requested could not be found. Try changing your module settings or create some new posts.